Gottscheer in den Flüchtlingslager 

Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges im Mai 1945 kamen zahlreiche Gottscheer als Flüchtlinge nach Österreich. Viele von ihnen hatten bereits 1941 ihre jahrhundertealte Heimat im Gottscheerland verlassen müssen und waren 1945 erneut auf der Flucht. Oft konnten sie nur wenige persönliche Gegenstände mitnehmen.

In Österreich wurden die heimatlos gewordenen Familien zunächst in Flüchtlingslagern, ehemaligen Kasernen, Baracken und anderen Notunterkünften untergebracht. Bedeutende Lager und Aufenthaltsorte der Gottscheer befanden sich unter anderem in Kapfenberg, Wagna, Eisenerz, Peggau, Kellerberg, Spittal an der Drau, Lienz und Graz. Daneben lebten Gottscheer zeitweise auch in kleineren Lagern und Sammelunterkünften in der Steiermark und in Kärnten.

Das Flüchtlingslager Kapfenberg wurde für viele Gottscheer zu einer vorübergehenden Bleibe. Die Menschen lebten dort unter einfachen und beengten Verhältnissen. Lebensmittel, Kleidung, Heizmaterial und Wohnraum waren knapp. Trotzdem versuchten die Familien, ihren Alltag neu zu ordnen und Arbeit zu finden.

Auch das große Flüchtlingslager Wagna bei Leibnitz nahm zahlreiche Vertriebene und Flüchtlinge auf. Das Lager bestand aus einfachen Baracken und bot nur eine notdürftige Unterkunft. Viele Bewohner mussten dort längere Zeit verbringen, bevor sie eine eigene Wohnung oder eine Arbeitsstelle erhielten beziehungsweise auswandern konnten.

Im Lager Eisenerz fanden zahlreiche Gottscheer nach den schweren Kriegs- und Fluchtjahren wieder

 mit ihren Angehörigen zusammen. Weitere wichtige Unterkünfte bestanden in Peggau und Graz. In Graz bildete sich schon bald ein Hilfsausschuss, der die Landsleute bei der Suche nach Angehörigen, Arbeitsplätzen und Wohnungen unterstützte. Außerdem wurden Kleidung, Lebensmittel und andere Hilfsgüter gesammelt und verteilt.

Das Leben in den Lagern war von Armut, Enge und Ungewissheit geprägt. Mehrere Familien mussten sich häufig einen Raum teilen. Es fehlte an ausreichender Ernährung, medizinischer Versorgung und geeigneten Unterkünften. Besonders schwierig war die Situation für ältere Menschen, Kranke und Familien mit kleinen Kindern. Trotz dieser Not bewahrten die Gottscheer ihren starken Gemeinschaftssinn. Sie veranstalteten Gottesdienste, organisierten Unterricht für die Kinder und pflegten ihre Lieder, ihre Mundart und ihre Bräuche. Gegenseitige Hilfe und der Zusammenhalt unter den Landsleuten erleichterten das Leben in den Lagern.

Nach und nach konnten sich viele Gottscheer in Österreich eine neue Existenz aufbauen. Sie fanden Arbeit, gründeten Familien und errichteten eigene Häuser. Andere wanderten nach Deutschland, in die Vereinigten Staaten, nach Kanada oder Australien aus.

Die österreichischen Flüchtlingslager waren für die Gottscheer Orte großer Entbehrung, aber auch Stationen eines Neubeginns. Die Erinnerung an Kapfenberg, Wagna, Eisenerz und die anderen Lager ist daher ein wichtiger Teil der Geschichte der Gottscheer Volksgruppe.