Die Gottscheer Forstwirtschaft Teil 1
Text: Gottscheer Kalender der Gottscheer Gedenkstätte Graz - Mariatrost
Der größte Reichtum Gottschees sind seine Wälder. Sie verleihen der Landschaft ihren besonderen Reiz und prägen das Klima entscheidend. Ohne sie würde die Region ihren Charakter verlieren: Statt der frischen, feuchten Luft herrschten Trockenheit und Schwüle wie in den kahlen Gebieten des benachbarten Hochkroatiens. Zugleich bilden die Wälder eine zentrale Grundlage für das wirtschaftliche Leben der Bevölkerung. Bereits seit der ersten Besiedlung spielten die Wälder eine bedeutende Rolle. Einerseits war ihre Rodung Voraussetzung für die Ausbreitung der Siedlungen, andererseits lieferten sie Holz und Wild. Schon im Jahr 1406 erließ Graf Friedrich von Ortenburg ein Waldrechtsgesetz, um Streitigkeiten über Nutzungsrechte zu regeln. Der Gesetzestext verweist ausdrücklich auf Konflikte „von der Wälder wegen und Waldrecht“, die bis hin zu Feindschaft und Gewalt führten.
Der Waldreichtum Gottschees ist über Jahrhunderte hinweg erhalten geblieben, vor allem weil viele Berggebiete nur wenig erschlossen wurden. Nicht menschliche Pflege, sondern die geringe Eingriffstätigkeit sorgte dafür, dass sich große, oft urwaldartige Bestände halten konnten. Zeitgenössische Berichte aus dem 17. Jahrhundert, etwa von Valvasor, schildern die Wälder als gewaltige, schwer zugängliche Wildnisse mit dichtem Bewuchs, steinigem Untergrund und mächtigen Bäumen. Solche Eindrücke haben in einzelnen Gebieten bis heute ihre Gültigkeit. Die Wälder besitzen auch große ökologische Bedeutung. Sie wirken klimaregulierend, indem sie die Luftfeuchtigkeit erhöhen und die Austrocknung des Bodens verhindern. Wind und Sonne können in dichten Beständen weniger stark wirken als auf offenen Flächen. Dadurch wird die Verdunstung verlangsamt und die Bodenkrume geschützt. Besonders im Karstgebiet ist dies entscheidend, da der Wald die Bildung von Humus fördert und verhindert, dass wertvoller Boden rasch in Spalten des Kalkgesteins verschwindet.
Die wichtigsten Baumarten sind Rotbuche, Fichte und Edeltanne. Daneben kommen Eiche, Ulme, Linde und Lärche vor, in tieferen Lagen auch Birke und Eberesche. Die Kastanie bildet auf bestimmten Hängen dichte Bestände. Ursprünglich dominierte die Buche, doch seit dem 19. Jahrhundert wurden Fichte und Tanne verstärkt gefördert, da sie wirtschaftlich schneller nutzbar sind.
Die Bedeutung des Waldes für Gottschee ist außerordentlich groß. Ein Großteil der Gebirgszüge und Vorberge ist bewaldet, ebenso viele Talflächen. Insgesamt können etwa zwei Drittel der gesamten Landesfläche als Waldgebiet gelten. In manchen Regionen hat sich der Wald sogar ausgedehnt, etwa durch den Rückgang der Viehzucht. Die Pflege und Nutzung der Wälder lag lange Zeit in den Händen der Herrschaft, insbesondere der Familie Auersperg. Anfangs stand dabei die Jagd im Vordergrund, weshalb zahlreiche Jäger beschäftigt wurden. Erst im 19. Jahrhundert gewannen wirtschaftliche Überlegungen an Bedeutung. Mit dem Bau der Eisenbahnlinie Wien–Triest (1854–1857) eröffnete sich ein neuer Absatzmarkt für Holz. Gleichzeitig führten die politischen Veränderungen von 1848 zu einer Neuordnung der Besitzverhältnisse und zu einer intensiveren Verwaltung der Wälder.
In dieser Zeit entstanden zahlreiche Sägewerke, unter anderem in Trawnik, Kaltenbrunn, Bärenheim und Karlshütte. Auch das Netz an Forstrevieren wurde erweitert, wodurch eine systematischere Bewirtschaftung möglich wurde. Der Waldbesitz der Auersperger war beträchtlich: Im 18. Jahrhundert umfasste er rund 75.000 Joch (etwa 19.400 Hektar). Durch Rodungen und andere Veränderungen verringerte sich diese Fläche im 19. Jahrhundert, blieb jedoch weiterhin bedeutend.
Die Gottscheer Forstwirtschaft Teil 2
Text: Gottscheer Kalender der Gottscheer Gedenkstätte Graz - Mariatrost
Die Forstwirtschaft bot vielen Menschen Arbeit. Tätigkeiten reichten vom Fällen und Aufarbeiten der Bäume über den Transport bis hin zur Verarbeitung in Sägewerken. Auch die Herstellung von Holzkohle spielte eine Rolle. Die Einnahmen aus der Holzwirtschaft waren erheblich, auch wenn ein Teil der Arbeitskräfte aus benachbarten Regionen stammte.
Nach 1848 gelangten große Waldflächen in den Besitz der Gemeinden. Allerdings wurde es versäumt, diese ausreichend zu schützen, sodass es vielfach zu Zersplitterung und intensiver Nutzung kam. Viele Kleinbauern schlugen ihre Waldstücke rasch ab, um kurzfristig Einnahmen zu erzielen. Besonders in den wirtschaftlich schwierigen Jahren nach dem Ersten Weltkrieg nahm der Raubbau zu, etwa durch die verstärkte Holzkohlenproduktion. Diese Praxis führte häufig zur vollständigen Abholzung ganzer Hänge.
Die Wiederaufforstung blieb oft unzureichend. Da es Jahrzehnte dauert, bis ein Wald wieder herangewachsen ist – bei Buchen sogar über 100 Jahre –, hatte diese Entwicklung langfristig negative Folgen. Dennoch zeigt sich in neuerer Zeit ein wachsendes
Bewusstsein für nachhaltige Waldpflege. Wohlhabendere Bauern investieren zunehmend in Waldflächen und betreiben Aufforstung, auch wenn sich der Nutzen erst in der Zukunft zeigt. Heute beträgt die Waldfläche der Gemeinden rund 26.000 Hektar. Hinzu kommen teilweise bewaldete Weideflächen, sodass insgesamt etwa 31.000 Hektar Wald angenommen werden können. Der jährliche Holzzuwachs ist beträchtlich und wird auf etwa 189.000 Kubikmeter geschätzt. Der größte Anteil entfällt auf Nadelholz, insbesondere Tanne, während die Buche einen kleineren, aber wichtigen Teil ausmacht. Das gewonnene Holz wird unterschiedlich verarbeitet: Ein Teil wird als Nutzholz in Sägewerken weiterverarbeitet, ein anderer zu Bauholz, Bahnschwellen oder Brennmaterial. Neben den herrschaftlichen Betrieben existieren auch private Sägewerke, etwa in Gottschee, Rieg, Nesseltal und Tschermoschnitz. Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Wälder Gottschees nicht nur landschaftlich und ökologisch von großer Bedeutung sind, sondern auch eine zentrale wirtschaftliche Grundlage darstellen. Ihre nachhaltige Nutzung bleibt eine entscheidende Aufgabe für die Zukunft