Der Gottscheer Hausierer Handel Teil 1
Text: Gottscheer Kalender der Gottscheer Gedenkstätte Graz - Mariatrost
Der Hausierhandel war für die Gottscheer früher sehr wichtig. Ihre Bauernhöfe waren meist klein und brachten wenig Ertrag. Deshalb mussten viele Menschen zusätzlich Geld verdienen.
Schon im Jahr 1492 erlaubte Kaiser Friedrich IV. den Gottscheern offiziell, als Hausierer unterwegs zu sein. Dieses Recht wurde später mehrmals bestätigt. Der Grund dafür war, dass die Region durch Türkeneinfälle stark geschädigt worden war und die Menschen Unterstützung brauchten.
Schon früh zogen Gottscheer Händler durch viele Länder Europas. Sie verkauften zuerst vor allem selbst hergestellte Waren wie Holzgeräte und Leinwand. Flachs wurde in der Heimat angebaut und zu Stoff verarbeitet, der dann weiterverkauft wurde. Über Handelsorte wie Triest und Fiume lernten sie später auch den Handel mit Südfrüchten kennen.
Im 18. Jahrhundert änderte sich ihr Angebot. Weil Leinwand und Holz weniger Gewinn brachten, durften sie ab 1774 auch Produkte wie Öl, Orangen, Zitronen und Feigen verkaufen. Diese Waren wurden sehr wichtig für den Hausierhandel.
Die Händler waren meistens im Winter unterwegs, wenn es auf den Höfen weniger Arbeit gab. Die Männer verließen im Herbst ihre Familien und kehrten erst im Frühjahr zurück. In dieser Zeit war das Leben für Frauen und Kinder oft schwierig, und das verdiente Geld war sehr wichtig zum Überleben.
Im 19. Jahrhundert änderte sich auch die Art des Verkaufs. Die Hausierer trugen ihre Waren in Körben und boten sie oft in Gasthäusern oder Kaffeehäusern an. Manche nutzten auch kleine Tricks oder Spiele, um mehr zu verkaufen.
Einige Händler wurden mit der Zeit erfolgreich und konnten sich ein gutes Leben aufbauen. Sie kauften Häuser oder eröffneten eigene Geschäfte. Es entstanden sogar größere Handelsfirmen.
Der Hausierhandel hatte aber auch Nachteile. Viele Menschen gewöhnten sich an die leichtere Arbeit und wollten keine schwere körperliche Arbeit mehr machen. Außerdem brachte der häufige Aufenthalt in Gasthäusern auch weniger gute Gewohnheiten mit sich.
Nach dem Ersten Weltkrieg ging der Hausierhandel stark zurück. In vielen Ländern durften die Gottscheer nicht mehr arbeiten oder hatten wegen der Sprache Schwierigkeiten. Auch die wirtschaftliche Lage war schlecht. Neue Arbeitsmöglichkeiten gab es kaum.
Früher waren jedes Jahr Hunderte Männer unterwegs. Um 1913 gab es etwa 500 bis 600 Hausierer-Familien. Weil so viele Männer oft weg waren, lebten in der Heimat deutlich mehr Frauen als Männer.
Der Gottscheer Hausierer Handel Teil 2
Text: Gottscheer Kalender der Gottscheer Gedenkstätte Graz - Mariatrost
Richard Ruppe, jüngster Sohn eines Gastwirtes und Kaufmannes, hat in Winkel in der Gottschee am 15.01.1907 das Licht der Welt erblickt. Doch der Lebensraum wurde der kinderreichen Familie zu eng und so wanderte er 1928 aus.
Er wanderte von Gmunden, Linz, über Braunau nach Deutschland und Holland, und danach nach Bad Aussee.
Er ist dann dem Beruf mit viel kaufmännischer Gewandtheit nachgegangen. Kaiser Friedrich IV. verlieh den Gottscheern für die deutschen Reichslande im Jahre 1492 ausdrücklich das Privileg des Hausierhandels, das durch spätere Kaiser erneuert und erweitert wurde.
So schnallte er sich täglich über seine fesche Gottscheer Tracht den „Bauchladen“ um und verkaufte vorwiegend Süßigkeiten und animierte zu einem „Glücksspiel“, wenn er durch die Gaststätten von Tisch zu Tisch wanderte. Der Käufer durfte „grad oder ungrad“ sagen und dann tief in sein dargebotenes Sackerl mit Losen greifen, und hatte er gewonnen, so durfte er sich etwas Süßes aus den vielen Fächern des Bauchladens aussuchen. Höhere Gewinne gab es zu erzielen, wenn man nur mit Ziffern gewettet hatte usw. Bei dieser Wanderschaft hat Richard Ruppe wohl seine große Menschenkenntnis erworben, die ihm später als Hotelier im Hotel Sonne in Bad Aussee sehr nützlich war.