Handel und Hausindustrie in der Gottschee Teil 1
Text: Gottscheer Kalender der Gottscheer Gedenkstätte Graz - Mariatrost
Die Hausindustrie war vorhanden, aber weniger bedeutend als der Hausiererhandel, der vielen Männern eine wichtige Verdienstmöglichkeit bot. Die Landwirtschaft diente meist nur der Selbstversorgung.
Hergestellt wurden unter anderem Wiegen, Holzteller, Besteck, Körbe und Schaufeln, die bis nach Deutschland und Italien gelangten. Haselstöcke brachte man zu Siebmachern, Peitschenstiele sogar bis nach Triest. Teilweise zogen Händler mit Saumpferden bis ans Meer, tauschten ihre Waren gegen Salz und kehrten damit zurück. In manchen Orten lebten die Menschen zusätzlich vom Holzkohlenbrennen.
Es gab auch eine Lodenproduktion in Heimarbeit. Hausierer vertrieben diese Waren bis nach Bosnien. Einige Händler wurden wohlhabend, führten ein gehobenes Leben und engagierten sich sogar für ihre Gemeinden, etwa beim Bau von Schulen.
Viele Gottscheer betrieben Fernhandel. So zogen manche mit in Triest gekauften Südfrüchten bis nach Polen. Andere spezialisierten sich später auf Maroni oder Weinhandel. Der Handel begann meist im Herbst nach der Ernte und dauerte bis zur Frühjahrssaat. Nur wenige kehrten zu Weihnachten heim, da dies eine besonders umsatzstarke Zeit war.
Handel und Hausindustrie in der Gottschee Teil 2
Text: Gottscheer Kalender der Gottscheer Gedenkstätte Graz - Mariatrost
Ein großer Teil der Männer war als Hausierer unterwegs, während Frauen die Feldarbeit übernahmen. Es gab unterschiedliche Händlergruppen: Einfache Korbhausierer und besser gestellte Schnittwarenhändler. Kunden bestellten oft schon im Jahr zuvor ihre Waren.
Durch Geschäftssinn und Ehrlichkeit konnten einige Händler großen Wohlstand erreichen,
etwa durch unverfälschten Weinhandel oder geschickten Warentausch zwischen Nord- und Südeuropa. Mit den Einnahmen wurden Häuser verbessert und der Lebensstandard gehoben.
Der Abschied im Herbst war für viele Familien schmerzhaft. Dennoch blieb der Hausierhandel über Generationen hinweg eine zentrale Lebensgrundlage der Gottscheer.