Das Gottscheer Brauchtum Teil 1
Text: Gottscheer Kalender der Gottscheer Gedenkstätte Graz - Mariatrost
Die vier Hauptkapitel zu Fasching, Ostern, Sonnwend und Weihnachten spiegeln die wichtigsten Abschnitte des Jahres wider und enthalten die meisten Bräuche. Dennoch bleiben einige Traditionen dazwischen bestehen, etwa Allerheiligen und Allerseelen im Zusammenhang mit dem Totengedenken.
Im Frühjahr beginnt der Jahreslauf nach dem alten Kalender mit dem Georgstag (12. März), der das Ende des Winters und den Beginn der Feldarbeit markiert. Damit verbunden waren verschiedene Bräuche: Man glaubte, dass an diesem Tag die Vögel Hochzeit halten. Wer ein Vogelpaar sah, durfte auf eine eigene Hochzeit hoffen. Auch Glücksrituale wie das Werfen von Holz über das Hausdach wurden durchgeführt.
Mit Ostern beginnt endgültig der Frühling. Neben religiösen Feiern gab es auch scherzhafte Bräuche wie das Aprilschicken. Der Georgitag (24. April) markierte den Beginn des Weidejahres und war früher ein wichtiger Termin für Dienstbotenwechsel. Ab diesem Zeitpunkt galt die Erde nicht mehr als „giftig“, und Kinder durften barfuß gehen.
Der Glaube an Hexen war stark verbreitet. Man erzählte von ihren nächtlichen Flügen und Treffen, die jedoch nicht wie anderswo speziell mit der Walpurgisnacht verbunden waren, sondern eher mit Ostern oder Pfingsten.
Der 1. Mai war geprägt vom Aufstellen des Maibaums. Dieser wurde oft heimlich aus dem Wald geholt und im Dorf unter großem Aufwand aufgestellt. Er war mit Tüchern, Kränzen und Fahnen geschmückt. Das Aufstellen war ein Gemeinschaftsereignis mit Musik, Tanz und Gesang. Manchmal wurden auch Maibäume zu Sonnwend oder sogar mehrfach im Jahr errichtet. In manchen Orten stellte man den Baum heimlich vor das Haus eines Mädchens.
Religiöse Feste spielten ebenfalls eine große Rolle: Zu Christi Himmelfahrt und Pfingsten fanden Prozessionen, Berggänge und Sonnenaufgangsrituale statt. Man glaubte, dass die Sonne an diesen Tagen „tanzt“. Pfingsten war außerdem mit Schutzritualen für die Felder verbunden.
Das Gottscheer Brauchtum Teil 2
Text: Gottscheer Kalender der Gottscheer Gedenkstätte Graz - Mariatrost
Fronleichnam war ein besonders wichtiges Fest mit feierlichen Prozessionen. Dabei wurden Wege geschmückt und Birkenzweige sowie Blumenkränze verwendet, denen heilende und schützende Kräfte zugeschrieben wurden. Diese wurden später gegen Krankheiten oder Unwetter eingesetzt. Eine weitere bedeutende Zeit war zwischen den „Frauentagen“
(15. August und 8. September).
In dieser Phase sammelte man Heilkräuter und schrieb Naturerscheinungen besondere Kräfte zu. Den Abschluss bildeten die Kirchweihfeste, bei denen Naturalspenden gesammelt und zugunsten der Kirche versteigert wurden.