Die Gottscheer Geistlichkeit

Die Gottscheer Geistlichen waren nicht nur gute Seelenhirten, sondern auch wahre Volksvertreter, die genauso wie für ihren Glauben, auch für ihr Volkstum eintraten. Zu ihnen hatten ihre Mitmenschen volles Vertrauen und zu
ihnen konnten sie aufschauen. Solche waren:

Domherr Pfarrer Josef Erker
Josef Erker wurde am 13. Juli 1851 in Mitterdorf geboren. Nach seiner Schulzeit in Mitterdorf und Gottschee besuchte er das Gymnasium in Laibach und studierte dort Theologie. 1873 wurde er zum Priester geweiht. Nach mehreren seelsorgerischen Aufgaben wirkte er ab 1898 fünfundzwanzig Jahre lang als Dompfarrer. Große Verdienste erwarb er sich als Förderer der Gottscheer Jugend in Laibach. Er gründete den Waisenhausverein und trug wesentlich zum Bau des Waisenhauses in Gottschee bei. Auch an der Herausgabe des „Gottscheer Boten“ war er maßgeblich beteiligt. Josef Erker starb am 18. August 1925 in Gottschee. 

Domherr Stadtdechant Ferdinand Erker
Ferdinand Erker wurde am 18. März 1866 in Mitterdorf geboren. Nach dem Gymnasium in Laibach trat er in das Priesterseminar ein und wurde 1890 zum Priester geweiht. 1901 übernahm er die Stadtpfarre Gottschee, die er 38 Jahre lang mit Umsicht leitete. In seine Amtszeit fiel der Bau der neuen Stadtpfarrkirche nach Plänen des Wiener Dombaumeisters Friedrich von Schmidt. Neben dem kirchlichen Leben kümmerte er sich auch um religiöse Bildung, Volksmissionen und wirtschaftliche Anliegen der Heimat. Für sein Wirken wurde er zum Domherrn ernannt und staatlich ausgezeichnet. Er starb am 13. Oktober 1939. 

Geistlicher Rat Pfarrer August Schauer
August Schauer wurde am 17. Jänner 1872 in Pöllandl geboren. Nach dem Gymnasium in Gottschee und Rudolfswerth studierte er Theologie in Laibach und wurde am 22. Juli 1897 zum Priester geweiht. Nach Stationen in Nesseltal und Unterwarmberg wirkte er dreißig Jahre lang als Pfarrer in Nesseltal. Er war ein bedeutender Prediger und hielt bei der 600-Jahrfeier des Gottscheer Landes 1930 eine vielbeachtete Festpredigt. Von 1925 bis 1941 leitete er den „Gottscheer Kalender“ nach den Grundsätzen Väterglaube, Heimatliebe und Muttersprache. Gemeinsam mit anderen Geistlichen wandte er sich öffentlich gegen die Umsiedlung. August Schauer starb am 1. Juli 1941 und wurde in Pöllandl beigesetzt. An der Pfarrkirche erinnert eine Ehrentafel an ihn. 

Pfarrer Josef Gliebe
Josef Gliebe wurde 1873 in Kukendorf geboren und wirkte viele Jahre als Pfarrer in Göttenitz. Gemeinsam mit anderen Gottscheer Geistlichen sprach er sich 1941 öffentlich gegen die Umsiedlung der Gottscheer aus. Er sammelte Unterschriften und überreichte dem deutschen Konsul in Laibach eine Eingabe gegen die geplante Aktion. Nach dem Krieg mussten auch die letzten Bewohner Göttenitz verlassen, die Kirchen wurden abgerissen. Gliebe wirkte später in Niederdorf bei Reifnitz und starb am 14. Juli 1960. Eine Gedenktafel erinnert an ihn. 

Geistlicher Rat Pfarrer Josef Eppich
Josef Eppich wurde 1874 in Malgern geboren und war ab 1903 Pfarrer in Mitterdorf. Gemeinsam mit Josef Erker gründete er den „Gottscheer Boten“, die spätere „Gottscheer Zeitung“. Er setzte sich stark für Heimat, Kultur und Wirtschaft der Gottscheer ein und gründete unter anderem die Sparkasse und das Heimatmuseum. 1930 war er Initiator der 600-Jahr-Feier des Gottscheer Landes. Eppich blieb 1941 in seiner Heimat und kam 1942 bei einem Gefecht zwischen Partisanen und Italienern ums Leben. Er wurde in Mitterdorf begraben. 

Pfarrer Josef Kraker
Josef Kraker stammte aus Altlag und war ab 1905 Pfarrer in Rieg. Er galt als gütiger und gerechter Seelsorger, der Gottscheer und Slowenen gleich behandelte. 1941 blieb er trotz der Umsiedlung vieler Bewohner in seiner Pfarre zurück. Wenig später wurde er verschleppt und zum Tode verurteilt, konnte jedoch mit Hilfe eines mutigen Slowenen nach Veldes fliehen. Sein Retter musste dafür mit dem Leben bezahlen. Pfarrer Kraker lebte danach einige Jahre in Veldes und starb dort 1949. 

Pfarrer Heinrich Wittine
Heinrich Wittine wurde 1891 in Lichtenbach geboren und 1915 zum Priester geweiht. Nach mehreren seelsorgerischen Stationen wirkte er lange Zeit als Pfarrer in Morobitz. Nach der Umsiedlung betreute er die Pfarre Arch und war 1945 im Lager Sterntal interniert. Später wirkte er in der Steiermark und schließlich auf Schloss Waldstein als Schlosspfarrer. Besonders verbunden bleibt sein Name mit der Gottscheer Gedenkstätte in Graz-Mariatrost, deren Errichtung er maßgeblich anregte. Er starb 1977 in Graz. 

Pfarrer Alois Krisch
Alois Krisch wurde 1893 in Rieg geboren und war für seine Frohnatur und sein heiteres Wesen bekannt. Gemeinsam mit Pfarrer Heinrich Wittine legte er 1933 die Pfarrersprüfung in Laibach ab. In Altlag wirkte er als Priester und engagierte sich auch bei der Raiffeisenkasse. Nach der Umsiedlung kam er nach Tirol, wo er in Brandenberg als geschätzter Seelsorger wirkte. Dort verstarb er 1966. Bedeutend sind auch seine schriftlichen Aufzeichnungen über Umsiedlung und Vertreibung der Gottscheer. 

Geistlicher Rat Ernst Tscherne
Ernst Tscherne wurde 1901 in Neuberg bei Pöllandl geboren. Nach seiner Schulzeit in Gottschee und Graz studierte er Theologie und wurde 1924 zum Priester geweiht. Er wirkte in mehreren steirischen Pfarren und übernahm 1941 die Pfarre Kapfenstein. Der Gottscheer Gedenkstätte in Graz-Mariatrost war er eng verbunden und weihte diese 1967 gemeinsam mit anderen Gottscheer Priestern ein. Viele Jahre leitete er die Wallfahrtsgottesdienste der Gottscheer. Er starb 1980 in Pöllau bei Gleisdorf.  

Geistlicher Rat Pfarrer Josef Seitz
Josef Seitz wurde 1932 in Malgern geboren und kam nach der Vertreibung mit seiner Familie nach Wundschuh in der Steiermark. 1958 wurde er zum Priester geweiht und wirkte danach viele Jahrzehnte als beliebter Pfarrer in Niklasdorf und Proleb. Besonders engagierte er sich für Jugend, Seelsorge und den Bau eines modernen Gotteshauses sowie eines Erholungsheimes am Grünen See. Als Gründungsmitglied der Gottscheer Gedenkstätte war er eng mit der Gottscheer Gemeinschaft verbunden. Josef Seitz starb 2005, begleitet von großer Anteilnahme der Bevölkerung und vieler Gottscheer Landsleute. 

Brigadier Militärerzdekan Dr. Harald Tripp
Harald Tripp wurde 1975 in Klagenfurt geboren und stammt mütterlicherseits aus einer Gottscheer Familie. Nach Studien in St. Pölten und Rom wurde er 2000 zum Priester der Militärdiözese geweiht. Danach übernahm er zahlreiche Aufgaben in Militärseelsorge, Wissenschaft und Kirchenrecht. 2014 wurde er Militärerzdekan und Ordinariatskanzler der Militärdiözese Österreichs. Der Gottscheer Gedenkstätte in Graz-Mariatrost ist er seit vielen Jahren eng verbunden und gestaltet dort regelmäßig Festgottesdienste. Für seine Verdienste wurde er 2017 zum Ehrenmitglied ernannt.

Geistlicher Rat Josef Jaklitsch
Josef Jaklitsch wurde 1901 in Kirchbach im Schwarzautal geboren, seine Familie stammte ursprünglich aus dem Gottscheer Land. In der Steiermark wirkte er an mehreren Orten und gründete die Pfarre Donawitz. Große Verdienste erwarb er sich beim Bau der dortigen Pfarrkirche. Ab 1963 engagierte er sich intensiv für die Gottscheer Gemeinschaft und feierte zahlreiche Gottesdienste mit Landsleuten. Er blieb seiner Herkunft stets verbunden und starb 1984 in Donawitz. . 

 Dr. Stefan Ulz
Stefan Ulz wurde 1967 in Ottendorf geboren und ist Großneffe des Gottscheer Priesters Ernst Tscherne. Nach Studien in Graz, Rom und der Toskana wurde er 1996 zum Priester geweiht. Er wirkte als Kaplan, Spiritual und Jugendseelsorger in verschiedenen Bereichen der Diözese Graz-Seckau. Seit 2019 leitet er den Seelsorgeraum Graz Süd-Ost mit mehreren Pfarren. Dr. Ulz ist der Gottscheer Gedenkstätte in Graz-Mariatrost eng verbunden. Sein Wirken verbindet moderne Seelsorge mit der Pflege des gottscheerischen Erbes. 

Pater Franz Morscher
Franz Morscher wurde 1902 in Altlag geboren und trat dem Orden der Söhne des Heiligen Herzens Jesu bei. 1928 wurde er zum Priester geweiht und feierte seine Primiz in Altlag. Bereits 1931 ging er als Missionar nach Afrika und wirkte dort viele Jahrzehnte lang. Sein Leben war geprägt von Mission, Glauben und Einsatz für die Menschen. Er verstarb 1998 in Middlebourg. 

Pater Anton Fink
Anton Fink wurde 1915 in Altlag geboren und 1944 in Brixen zum Priester geweiht. Ab 1950 wirkte er in Rom und übernahm wichtige Aufgaben innerhalb der Comboni-Missionare. Viele Jahre war er Generalprokurator der deutschsprachigen Missionare und betreute Pilgergruppen in Rom. Krankheitshalber musste er 1999 Rom verlassen. Er starb 2001 in Ellwangen in Deutschland. 

Pater Matthias Bernardin Schager SVD
Matthias Schager wurde 1935 in Maierle geboren und war der letzte im Gottscheer Land geborene spätere Priester. Nach Flucht und schwierigen Kriegsjahren trat er in den Missionsorden der Steyler Missionare ein. 1963 wurde er in Bischofshofen zum Priester geweiht. Sein Leben war dem Glauben und der Mission gewidmet. Er verstarb 2008 in Maria Enzersdorf bei Wien. 

Abt Wolfgang von Gottschee
Wolfgang von Gottschee war von 1481 bis 1515 Abt des Stiftes Rein bei Graz. Er stammte aus dem Gottscheer Land und trat bereits 1451 in das Kloster ein. Nach schweren Türkenüberfällen musste er das stark beschädigte Kloster wiederaufbauen und befestigen lassen. Zudem verfasste er bedeutende rechtliche Schriften. Er gilt als einer der bedeutendsten Äbte des Stiftes Rein.