Die Talschaften im Gottscheerland Teil 1

Text: Gottscheer Kalender der Gottscheer Gedenkstätte Graz - Mariatrost

Die deutsche Sprachinsel Gottschee 
Fläche 860 km2 - Ausdehnung von Norden nach Süden 26 km, von Osten nach Westen 34 km. Gottschee grenzte im Westen, Norden und Osten an slowenisches Gebiet. Im Süden bildeten die Cabranka und die Kulpa die natürliche Grenze zu Kroatien. Beginn der deutschen Besiedlung in der Gegend von Mooswald um 1330 unter Graf Otto von Ortenburg - 1348 bis 1363 große Besiedlung des Gottscheerlandes aus Kärnten, Osttirol, Franken und Thüringen. Ende 1941 wurden die Gottscheer auf Grund eines Vertrages zwischen Italien und dem Deutschen Reich in das Ranner Dreieck der damaligen Untersteiermark umgesiedelt. Drei von Nordwesten nach Südosten verlaufende Bergrücken, das Rieg-Göttenitzer Bergland (mit dem 1291 m hohen Schneewitz, der höchsten Erhebung in Gottschee), der Friedrichsteiner Wald (1068 m) und der Hornwald (1100 m) teilen das Land in vier Talschaften. Vom Westen nach Osten in das Hochtal von Suchen, in das Hinterland, das Haupttal mit Ober- und Unterland und in die Moschnitze oder Mosche. An die nördlichen Ausläufer des Hornwaldes schmiegt sich die Walden.

Das Gottscheer Land gehört zum Karst und weist auch die typischen Karsterscheinungen auf: Die Poljen, in Gottschee „Land“ genannt, die Dolinen bezeichnete man als „Gruben“ und dazu gab es verschwindende Flüsse. Die zahlreichen Grotten wurden auch „Löcher“ genannt. Die Rinse mit einer Länge von 14 km war der einzige nennenswerte Fluss im Ländchen und hat bereits 500 m nach dem Ursprung eine Mühle betrieben. Der Rieger Bach mit 3 - 5 km Länge trieb auch wie der Tiefenbach einige Mühlen. Am Wildbach, der bei Mitterdorf in der Moschnitze entspringt, lagen auf 18 km Flusslauf 23 Mühlen. Der größte Reichtum Gottschees waren und sind auch jetzt noch die Wälder. Der Bau der Eisenbahnlinie Wien - Triest von 1854-57 gab den Gottscheern schon im 19. Jahrhundert Gelegenheit, erfolgreich Holz zu verkaufen. Den besten Boden für den Ackerbau boten die größeren und kleineren Poljen, in deren flachen Mulden Humuserde angeschwemmt ist und den Karstkalk zur Genüge überlagert. Die Hauptstätten des Ackerbaus waren daher die Taltröge, aber in einzelnen Plateaulandschaften stiegen die Ackerstreifen bis zu 750 m empor. Schmale Nutzungsflächen hatte der Gottscheer auch in der Tiefe der Dolinen geschaffen. 

Die Talschaften im Gottscheerland Teil 2

Text: Gottscheer Kalender der Gotscheer Gedenkstätte Graz - Mariatrost

Die im Lande haupt­sächlich angebauten Feldfrüchte waren Winter- und Sommergerste, Sommer- und Winterweizen, Roggen, Hafer, Mais, Kartoffeln und Flachs.

Neben Kartoffeln und Mais bildeten verschiedene Arten von Fisolen, Rüben und Kraut die Hauptnahrung der Gottscheer. Nach einer Aufstellung in der Gottscheer Zeitung von 1930 wurde der Viehbestand der etwa 3.000 bäuerlichen Anwesen von der Landwirtschaftsgesellschaft mit 1161 Pferden, 8437 Stück Rindern, 422 Schafen und 61 Ziegen angegeben.

Der bedeutendste Industriezweig war seit 1892 die Gewinnung von Braunkohle. Die ab etwa 1850 blühende Lodenerzeugung stellte infolge der starken Konkurrenz mit Beginn des 1. Weltkrieges die Produktion ein. Mit dem ersten Weltkrieg und seinem für Gottschee so tragischen Ausgang beginnt der endgültige Niedergang des Landes. Die in Amerika ansäs­sigen Gottscheer versuchten, die amerikanische Regierung dazu zu bewegen, dafür einzutreten, dass Gottschee ein Freistaat, ein kleines selbstän­diges Land als Herzogtum Gottschee, bleiben hätte können, gab es doch in Europa eine ganze Reihe noch kleinerer Staaten, wie z.B. den Freistaat Andorra mit 453 km2 oder das Fürstentum Liechtenstein mit 157 km2. Auch in Gottschee liebäugelte man mit einem Herzogtum oder Freistaat Gottschee. So veröffentlichten die führenden Persönlichkeiten Gottschees, zusammengefasst im deutschen Volksrat Gottschee, im Oktober 1918 ein Flugblatt, wobei auf die Möglichkeiten eines selbständigen Gottscheer Landes hingewiesen wird.

Das Flugblatt trug die Überschrift: "Gottscheerland - Merkblatt zu den Friedensverhandlungen", in diesem wurde darauf hin gewiesen, dass der geschlossene Siedlungsraum 17 deutsche Pfarren,  42 Katastralgemeinden in 25 deutschen politischen Gemeinden und einen Reichswahlkreis umfasse. Mit der neuen politischen Einteilung würde das Land sogar in 3 politische Bezirke zerfallen. "Die Berechtigung für Selbstbestimmung haben die Gottscheer erworben im Kampfe gegen den Druck der Grundherren (1515 und 1523 sind die Bauernaufstände von Gottschee aus gegangen), gegen die Türken und 1809 gegen die Franzosen". Die nationalen Kräfte im neu entstandenen Staate, dem Königreich der Serben, Kroaten und Slowenen zeigten für die Interessen der Gottscheer kein Verständnis.
Der deutsche Volksrat bemühte sich auch um den Anschluss von Gottschee an die Republik Deutschösterreich. Beide Versuche scheiterten.  Am 19. März 1919 erklärte der Volksrat im Namen der Gottscheer dem neuen Staat deren Loyalität. Ergänzend soll vermerkt werden, dass im Land Gottschee bis 1919 in 33 deutschen Volksschulen (keine einzige slowenische Volksschule) Schüler in 65 Klassen von 60 deutschen Lehrern unterrichtet wurden. Seit 1891 versah ein deutscher Schulinspektor seinen Dienst. Mit 31. Dezember 1918 wurden die deutschen Staatsbeamten zum großen Teil entlassen, das deutsche Gymnasium in der Stadt und die anderen Schulen in slowenische Schulen umgewandelt