Das Schulwesen in der Gottschee Teil 1

Text: Gottscheer Kalender der Gottscheer Gedenkstätte Graz - Mariatrost

Die Gottscheer, eine kleine deutsche Sprachinsel im südöstlichen Krain, erkannten früh die Bedeutung von Bildung. Ihr reger Handel – zunächst mit Kroaten, später durch den vom Kaiser erlaubten Hausierhandel auch in deutsche Länder – zeigte ihnen deutlich, wie wichtig schulische Bildung war.

Da es lange keinen Schulzwang gab, entstanden zunächst sogenannte „Notschulen“. Wandernde Handwerker, ehemalige Soldaten oder einfache, des Lesens und Schreibens kundige Personen unterrichteten Kinder in Bauernstuben. Vermittelt wurden grundlegende Kenntnisse in Lesen, Schreiben, Rechnen und Religion. Auch die Geistlichkeit übernahm Unterrichtsaufgaben in Pfarrhöfen. Erst im 19. Jahrhundert entstanden die ersten öffentlichen Schulen, meist in Pfarrorten. Dennoch blieb die Versorgung lückenhaft, da viele Kinder aufgrund großer Entfernungen keinen Unterricht besuchen konnten. Das änderte sich erst mit dem Reichsvolksschulgesetz von 1869, das die Schulpflicht einführte und zahlreiche Neugründungen notwendig machte.

Eine entscheidende Rolle spielte der 1880 gegründete Deutsche Schulverein in Wien. Er finanzierte Schulbauten, stellte Lehrer ein und versorgte Schulen mit Lehrmitteln. Ohne diese Unterstützung hätten viele Gemeinden keine Schulhäuser errichten können.

In den folgenden Jahrzehnten entstanden zahlreiche weitere Schulen sowie ergänzende Bildungseinrichtungen, darunter eine Fachschule für Holzindustrie und ein Gymnasium in Gottschee (ab 1872, später ausgebaut). Bis zum Ersten Weltkrieg erreichte das Schulwesen eine Blütezeit: Fast jede Gemeinde verfügte über eine Schule, und der Unterricht wurde überwiegend von deutschsprachigen Lehrkräften erteilt.

Der Weltkrieg und die politischen Umwälzungen danach führten jedoch zu einem starken Rückgang des deutschen Schulwesens. Viele Schulen wurden auf slowenische Unterrichtssprache umgestellt oder geschlossen, zahlreiche Lehrer verließen das Land oder wurden versetzt.

Das Schulwesen in der Gottschee Teil 2

Text: Gottscheer Kalender der Gottscheer Gedenkstätte Graz - Mariatrost


Trotz dieser Veränderungen blieb an einigen Schulen Deutsch Unterrichtssprache, wenn auch oft eingeschränkt. Das Volksschulgesetz von 1929 brachte teilweise Verbesserungen und wurde von der Gottscheer Bevölkerung begrüßt.

Besonders wichtig für die Bildung war das Gottscheer Gymnasium, das viele Lehrer, Geistliche und Akademiker hervorbrachte. Auch wenn nach 1918 die Unterrichtssprache wechselte und

 Stipendien wegfielen, besuchten weiterhin begabte Schüler diese Schule. Unterstützt wurden sie durch lokale Initiativen wie einen Studenten Hilfsverein, der sich für die Ausbildung der Jugend einsetzte.

Trotz ihrer geringen Zahl brachte die Gottscheer Bevölkerung eine bemerkenswerte Anzahl gebildeter Persönlichkeiten hervor – ein Verdienst ihres einst gut entwickelten Schulwesens.