Die Gottscheer Wirtschaft Teil 1
Text: Gottscheer Kalender der Gottscheer Gedenkstätte Graz - Mariatrost
Seit fast einem Jahrhundert gab es im Gottscheer Land Bestrebungen, eine eigene Industrie aufzubauen. Dauerhaft bestehen konnten jedoch nur jene Betriebe, die sich auf die natürlichen Ressourcen des Landes stützten – vor allem Holz, Erde und Kohle. Dennoch blieb die Entwicklung einer stabilen Industrie von großer Bedeutung, da sie den Bewohnern sichere Erwerbsmöglichkeiten bieten sollte.
Eine wichtige Rolle spielte das Braunkohlenbergwerk von Trifail. Es war nicht nur ein bedeutender Abnehmer von Holzprodukten aus der Region, sondern auch ein großer Arbeitgeber. Rund 400 bis 500 Arbeiter fanden dort Beschäftigung, entweder aus den umliegenden Dörfern oder in eigens errichteten Werkswohnungen.
Ein jüngerer Industriezweig war die Textilindustrie. Neben einer bereits um das Jahr 1910 gegründeten
Fabrik entstand 1928 die Gesellschaft
„Kočevje, tekstilna industrijska družba“, die mit tschechischem Kapital aufgebaut wurde. Große Erwartungen begleiteten auch die Errichtung einer Ziegelei im Jahr 1910, doch diese konnte sich wirtschaftlich nicht behaupten. Vermutlich fehlte ein ausreichendes Absatzgebiet für Bauziegel. Da viele Teile des Gottscheer Landes weiterhin am traditionellen Holzbau festhielten, bestand nur begrenzter Bedarf an Ziegeln.
Erfolgreicher waren hingegen einige Betriebe zur Herstellung von Zementdachziegeln, etwa in Mösel, Lienfeld und Rieg. Ein früher industrieller Versuch war auch die Glashütte in Karlshütten, die 1835 von Wiener Unternehmern gegründet wurde. Aufgrund zu hoher Betriebskosten musste sie jedoch bereits nach etwa 20 Jahren wieder schließen.
Die Gottscheer Wirtschaft Teil 2
Text: Gottscheer Kalender der Gottscheer Gedenkstätte Graz - Mariatrost
Eine große Zahl von Menschen fand Beschäftigung in der Forstwirtschaft. Die Arbeit reichte vom Fällen der Bäume über deren Verarbeitung bis zum Transport mit eigenem oder fürstlichem Fuhrwerk.
Auch Sägebetriebe boten Arbeitsplätze. Die Löhne für Holzfällung und Verarbeitung lagen in den letzten Jahren durchschnittlich bei drei bis vier Millionen Dinar.
Neben der Forstwirtschaft spielte einst auch die
Lodenindustrie eine Rolle. Das Unternehmen von Michael Lackner, gegründet 1843, war ein bedeutender Vertreter dieser Hausindustrie. Steigende Rohstoffpreise und zunehmender Wettbewerb führten jedoch zu ihrem Niedergang. Bereits zu Beginn des Ersten Weltkrieges existierten nur noch wenige kleine Werkstätten, die schließlich ganz verschwanden.