Die Gottscheer Landsmannschaften 

International Teil 1

Gottscheer Altsiedlerverein  in Slowenien

Der Gottscheer Altsiedlerverein ist eine Organisation der in Moschnitze lebenden Gottscheer in Slowenien. Viele entschieden sich im Jahr 1941 gegen eine Aussiedlung. Der Verein wurde im Mai 1989 in Pöllandl gegründet und nach der Unabhängigkeit Sloweniens im Juni 1992 offiziell registriert.

Zu den Hauptaufgaben gehört der Erhalt des gottscheerischen Kulturerbes, wie Friedhöfe, Kapellen und Kirchen. Seit 1998 liegt ein besonderer Fokus auf der Jugendarbeit, um Sprache und Kultur langfristig zu sichern.

Im selben Jahr wurde eine Jugendgruppe gegründet, die Freizeitaktivitäten und Veranstaltungen organisiert. Die Gottscheer Begegnungsstätte dient als Treffpunkt für Einheimische, andere Volksgruppen und Gottscheer weltweit. Sie befindet sich in Krapflern/Občice und wurde am 26. November 1998 mit Unterstützung der österreichischen und Kärntner Regierung erworben. Dort finden regelmäßig Gottscheerisch- und Deutschunterricht, Chorproben sowie kulturelle Veranstaltungen statt.

Gottscheer Alpenclub
Kitchener/Kanada

1953 gründete Wilhelm Hoegler gemeinsam mit weiteren Landsleuten aus der Region Gottschee den Alpenverein. Das Clubhaus entstand 1958 unter Präsident Richard Mausser und wurde später erweitert.

Seit der Gründung wurde der Verein von mehreren Präsidenten geleitet und zählt heute über 200 Mitglieder mit verschiedenen Untergruppen wie Tanz- und Freizeitgruppen.

Früher fanden fast jedes Wochenende Veranstaltungen statt, viele davon – etwa das Oktoberfest, Mitgliederpicknicks oder Weihnachtsfeiern – bestehen bis heute. Das größte Ereignis ist das Oktoberfest mit Musik, Tanz, traditionellem Essen und großer Beteiligung. Seit 1963 gibt es außerdem das jährliche Gottscheer-Treffen, das die Gemeinschaft und Traditionen über Generationen hinweg stärkt. Der Alpenclub verbindet Tradition mit neuen Ideen und lädt das ganze Jahr über zu geselligen Veranstaltungen ein.


E.Ö.U.V. Erster Österr. Unterstützungsverein Cleveland

Ende des 19. Jahrhunderts wanderten viele Gottscheer nach Nordamerika aus, besonders in den Raum Cleveland. Ohne soziale Absicherung gründeten sie eine gegenseitige Hilfsgesellschaft, den Ersten Österreichischen Unterstützungs-Verein (EOUV) unter Präsident Josef Kump. Die Gruppe wuchs rasch, wechselte mehrmals den Treffpunkt und erwarb 1928 ein eigenes Gebäude.

Nach dem Zweiten Weltkrieg entstand 1946 ein Hilfskomitee zur Unterstützung notleidender Gottscheer in Europa. 1955 schlossen sich EOUV und DOUV zum gemeinsamen Verein zusammen. Mit neuen Einwanderern in den 1950er Jahren erlebte das Vereinsleben eine kulturelle Blüte.

In den 1970er Jahren sank die Beteiligung, da viele Mitglieder in Vororte zogen. Ein großes Grundstück in Russell Township wurde gekauft, und 1983 ein neues Clubhaus eröffnet. Durch Engagement und Spenden der Mitglieder entwickelte sich wieder eine aktive Gemeinschaft, die bis heute besteht.

Die Gottscheer Landsmannschaften 

International Teil 2

Das Gottscheer Hilfswerk (Gottscheer Relief Association) in New York

Das Gottscheer Hilfswerk (Gottscheer Relief Association) in New York wurde am 16. März 1946 gegründet und kurz darauf offiziell anerkannt. Ziel war es, den nach der Vertreibung in alle Welt verstreuten Gottscheern rasch Hilfe zu leisten. Nachdem sich viele in den 1950er- und 1960er-Jahren in ihrer neuen Heimat eine gesicherte Existenz aufbauen konnten, verlagerte das Hilfswerk seine Tätigkeit auf neue Aufgaben, insbesondere auf Fragen der Entschädigung für verlorenes Vermögen.

Zu den wichtigsten Veranstaltungen zählt die jährliche Weihnachtsfeier für ältere Menschen im Gottscheer Klubhaus. Ein Höhepunkt ist das große Gottscheer Volksfest, das jedes Jahr am ersten Junisonntag in Franklin Square auf Long Island stattfindet und als größtes Treffen der Gottscheer weltweit gilt. Seit 1964 wird dort auch die „Miss Gottschee“ gewählt. Am selben Wochenende wird traditionell das Nordamerikanische Gottscheer Treffen abgehalten.

Das Hilfswerk engagiert sich im kulturellen und sozialen Leben, pflegt Kontakte zu deutschen Organisationen und nimmt regelmäßig an der Steubenparade in New York teil. Es finanziert sich durch Spenden und Anteile am Volksfest und hat keine zahlenden Mitglieder. Seit 2019 steht Sonia Juran Kulesza an der Spitze der Organisation.


Gottscheer Club (Gottscheer Relief Association) in Toronto 


Die ersten Gottscheer wanderten bereits vor dem Ersten Weltkrieg nach Kanada aus und fanden Arbeit in den Urwäldern von British Columbia sowie in den Erzgruben von Timmins in Ontario. Ihr Leben war oft hart, und viele zog es später weiter in die USA.

Nach dem Zweiten Weltkrieg kamen rund 3000 Gottscheer nach Toronto, wo bereits etwa 100 Landsleute lebten. Obwohl sich ihre wirtschaftliche Situation bald besserte, fehlte vielen die Gemeinschaft und der Kontakt zur alten Heimat.

Eine zentrale Figur war Rudolf Muchitsch, der schon 1926 nach Kanada gekommen war. Sein Haus wurde zum Treffpunkt der Gottscheer, wo er Zusammenhalt, Geselligkeit und Trost bot. Mit dem starken Zuwachs der Gemeinschaft reichte dieser Raum jedoch nicht mehr aus. Daher gründeten Muchitsch und andere Landsleute 1955 den Verein „Gottscheer Relief Association Toronto“, unterstützt von Heinrich Lobe.

Ziel war es, die Verbundenheit untereinander zu stärken und die Erinnerung an die Heimat zu bewahren. Muchitsch wurde erster Präsident, gefolgt von mehreren engagierten Nachfolgern.

1967 entstand das Klubhaus im Gottscheer Park, das später erweitert wurde. 1987 wurde zusätzlich eine kleine Kapelle errichtet, die bis heute ein Symbol der Gemeinschaft ist.


Das Gottscheer Klubhaus – Gottscheer Hall – in New York


1924 organisierte Gottfried Tittman eine Gruppe von Gottscheern, um eine Gesellschaft zu gründen und Gelder für den Bau eines Klubhauses zu sammeln. Ziel war ein Treffpunkt, an dem Traditionen gepflegt und Erinnerungen an die Heimat ausgetauscht werden konnten. Dieses Vorhaben wurde an der 657 Fairview Avenue verwirklicht.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wanderten viele Gottscheer in die USA aus, besonders nach New York, Cleveland, Milwaukee, Kitchener und Toronto. Durch das Wachstum der Gemeinschaft wurde eine Erweiterung notwendig. Mit dem Verkauf von Aktien an Neuankömmlinge konnte Kapital gesammelt und das Nachbargrundstück 655 Fairview Avenue erworben werden. Dadurch verdoppelte sich die Größe der Gottscheer Hall. Eine moderne Renovierung brachte das Gebäude auf den Stand des 21. Jahrhunderts.

Heute ist die Hall weit mehr als ein Klubhaus. Sie ist ein lebendiger Treffpunkt für alle Generationen mit zahlreichen Veranstaltungen wie Tanzabenden, Chor- und Tanzproben, dem Gottscheer Tratsch und traditionellen Festen. Dank des großen Engagements der Verantwortlichen und der Gemeinschaft bleibt die Gottscheer Hall auch in Zukunft ein bedeutendes kulturelles Zentrum.