Die Gottscheer Mundart Teil 1
Text: Gottscheer Kalender der Gottscheer Gedenkstätte Graz - Mariatrost
Völker – also Gemeinschaften mit gemeinsamer Herkunft, Kultur, Sprache, Geschichte und gemeinsamem Schicksal – sind Teil der Schöpfung. Wie alles Leben gehen auch sie aus dieser hervor. Diese Erkenntnis bildet die Grundlage unserer Weltanschauung und wird für uns zu einer moralischen Verpflichtung.
Der Schöpfer, der die Völker hervorgebracht hat, gab ihnen auch ihre Sprache – als Ausdruck ihres Innersten, ihres Herzens und ihrer Seele. Sprache lebt wie ein Volk: Sie entwickelt sich, verändert sich, bringt neue Wörter hervor und lässt andere verschwinden. In ihren Dialekten zeigt sie ihre besonderen Eigenheiten.
Unsere gottscheerische Sprache ist ein wertvoller Teil des großen Schatzes der deutschen Sprache – für uns die kostbarste Perle überhaupt. Wir Gottscheer sprechen einen Dialekt, der in unserer ursprünglichen Heimat vor etwa 700 Jahren gesprochen wurde und heute in dieser Form sonst nirgends mehr existiert. Es handelt sich um eine Sprachform, die die Wissenschaft als Mittelhochdeutsch bezeichnet. In unserer Mundart finden sich sogar noch einzelne sehr alte germanische Wörter aus dem Althochdeutschen.
Damit bewahren wir etwas Einzigartiges: ein lebendiges Stück Sprachgeschichte. Unsere Mundart ist ein kulturelles Erbe von großer Bedeutung. Gerade deshalb tragen wir eine besondere Verantwortung, sie zu erhalten und weiterzugeben.
Die Gottscheer Mundart Teil 2
Text: Gottscheer Kalender der Gottscheer Gedenkstätte Graz - Mariatrost
Da das Mittelhochdeutsche heute sonst nicht mehr gesprochen wird, lebt in unserer Sprache ein Teil des mittelalterlichen Deutsch fort. Sollte diese Sprache eines Tages verschwinden, ginge damit ein unwiederbringlicher Teil kultureller Geschichte verloren – eine Sprache, die einst die Grundlage für viele heutige Formen des Deutschen war.
Aus diesem Bewusstsein heraus empfinden wir Stolz auf unser „Gottscheabarisch“.
Gleichzeitig verbindet uns eine tiefe Liebe zu unserer Sprache. Sie ist ein wertvolles Erbe, das wir bewahren und an kommende Generationen weitergeben möchten.
Wir erwarten daher auch Respekt gegenüber unserer Sprache – so wie wir selbst allen Kulturen mit Achtung begegnen.
Die hochdeutsche Sprache klingt in unserem Dialekt weiterhin an. Sie ist die Sprache, in der wir lesen und schreiben, singen und beten – und sie hat für uns eine besondere Bedeutung.