Die Gottscheer Landwirtschaft Teil 1
Text: Gottscheer Kalender der Gottscheer Gedenkstätte Graz - Mariatrost
In der Gottschee entwickelte sich Industrie nur langsam und blieb unbedeutend. Die Bevölkerung lebte überwiegend von der Landwirtschaft, die meist als Naturalwirtschaft betrieben wurde. Marktwirtschaft spielte kaum eine Rolle, weshalb viele Bauern auf zusätzliche Einnahmequellen angewiesen waren.
Die Besitzverhältnisse waren stark zersplittert: Ein großer Teil bestand aus sogenannten Keuschlern mit sehr kleinen Flächen, die ohne Nebenerwerb nicht überleben konnten. Nur wenige Bauern verfügten über mittlere Betriebe. Insgesamt war die Gottschee ein typisches Kleinbauernland, in dem
Nachbarschaftshilfe und gemeinschaftliche Arbeit eine wichtige Rolle spielten.
Ihre wirtschaftliche Blüte erreichte die Region zwischen 1868 und 1878. Damals lebten etwa 26.000 Menschen dort, und die Viehhaltung war bedeutend. Auch der Wald spielte eine wichtige Rolle, insbesondere durch die Produktion von Holzkohle. Doch ab etwa 1880 setzte eine starke Auswanderung nach Amerika ein, wodurch die Bevölkerung stark zurückging. Viele Felder blieben unbewirtschaftet, und ein erheblicher Teil der Bewohner verließ die Heimat dauerhaft. Dennoch blieb die Verbindung zur alten Heimat bestehen, oft unterstützt durch Geldsendungen der Ausgewanderten.
Die Gottscheer Landwirtschaft Teil 2
Text: Gottscheer Kalender der Gottscheer Gedenkstätte Graz - Mariatrost
Die Landwirtschaft diente vor allem der Selbstversorgung. Angebaut wurden vor allem Hafer, Gerste, Mais sowie Buchweizen und Hirse. Früher wichtige Kulturen wie Flachs und Dinkel verloren an Bedeutung. Gemüse, Kartoffeln und Mais bildeten die Hauptnahrung. Auch Obstbau war verbreitet, und in günstigen Lagen wurde sogar Wein angebaut.
Die Fruchtfolge war flexibel und an Boden und Besitz angepasst. Kunstdünger wurde erst ab dem frühen 20. Jahrhundert eingesetzt und zunächst mit Skepsis betrachtet. Neben der Landwirtschaft brachte auch der Wald zusätzlichen Verdienst, etwa durch Holzarbeit oder Holzkohlenproduktion.
Da die Erträge aus dem Boden oft nicht ausreichten, entwickelten sich zusätzliche Erwerbsquellen. Besonders wichtig war der Hausiererhandel, der bereits im 15. Jahrhundert durch ein kaiserliches Privileg gefördert wurde.
Die Gottscheer handelten zunächst mit selbst hergestellten Waren wie Holzprodukten und Leinwand, später vor allem mit Südfrüchten, die sie weit über ihre Region hinaus verkauften. Dieser Handel führte teilweise zur Gründung größerer Unternehmen.
Im Winter zogen viele Männer als Wanderhändler umher, während die Frauen die Landwirtschaft weiterführten. Diese Tätigkeit stärkte die wirtschaftliche Flexibilität und förderte die spätere Auswanderung.
Die Industrie blieb hingegen von geringer Bedeutung. Es gab kleinere Betriebe wie Sägewerke, eine Lodenproduktion und zeitweise einen Braunkohlenbergbau. Dennoch blieb die Landwirtschaft bis zur Umsiedlung und Vertreibung im Zweiten Weltkrieg die wichtigste Lebensgrundlage der Gottscheer.